Löst WhatsApp bald die E-Mail ab?

Die klassische E-Mail wurde schon Ende des letzten Jahrhunderts für tot erklärt und erfreut sich dennoch auch heute noch großer Beliebtheit. E-Mails sind eigentlich nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Und gerade im Marketing werden E-Mails sehr gerne verwendet, da sie die beste Konversionsrate haben. Aber es gibt einen neuen Spieler, der sich aufs Marketingfeld drängt: WhatsApp.

Richtig bewusst wurde mir der mögliche Untergang der klassischen E-Mail erst, als wir bei uns die letzten zwei Wochen einen Praktikanten hatten. 18 Jahre. Noch in der Schule. Orientierungspraktikum. Im Laufe der normalen Unterhaltungen stellte sich heraus, dass er keine E-Mail Adresse hat. Er hatte mal eine, um sich vor Jahren für Facebook anzumelden, aber seither nutzt er die E-Mail überhaupt nicht mehr. Er kennt nicht einmal sein Passwort. 

Viel erstaunlicher ist, dass er erzählte, dass auch seine Freunde E-Mail nicht nutzen und er auch keinen Sinn darin sehe, denn schließlich kann er sich überall mit seinen sozialen Netzwerken anmelden, wo er sich anmelden möchte.

Es ist mir bis dahin nie aufgefallen, aber tatsächlich bietet fast jeder Dienst die Anmeldung per Facebook, Twitter und Co. an. Eine E-Mail benötigt es wirklich nicht. 

WhatsApp und soziale Netzwerke auf dem Vormasch

Kommuniziert wird immer auf dem jeweiligen Netzwerk oder eben per WhatsApp. Gerade WhatsApp scheint sich hier als E-Mail Killer hervor zu tun und in naher Zukunft sämtliche E-Mail Anbieter aufs Korn zu nehmen. Es haben sich in der letzten Zeit sogar einige Anbieter etabliert, die einen WhatsApp Newsletter Dienst anbieten. 

Zum Beispiel Whatspro.de oder Whatsbroadcast.com. Beide Anbieter stellen eine Plattform zur Verfügung, über welche man „Newsletter“ direkt auf die Handys der Abonnenten in Form einer WhatsApp Nachricht schicken kann.  Wie jeder weiß, öffnet man fast jede WhatsAppnachricht. Das würde einer Öffnungsrate von 100% entsprechen. Im E-Mail Marketing schon lange nicht mehr denkbar. Hier ist eine Öffnungsrate über 50% schon super. Bei dem ganzen Spam der unterwegs ist, auch kein Wunder. 

Ist WhatsApp also bald der neue Platzhirsch, wenn es um Kommunikationsmöglichkeiten geht?

Prinzipiell ist eine Öffnungsrate von 100% verlockend. Allerdings sollte man noch nicht gleich die Sektkorken knallen lassen. Denn „klassische“ Werbung und jede Art von Marketingkommunikation ist laut WhatsApp AGBs zu gewissen Teilen verboten: „C. In connection with Status Submissions, you further agree that you will not: (iv) post advertisements or solicitations of business“. Direkt Werbung zu schalten ist also verboten. Aber was genau Werbung ist, wird nicht näher in den AGBs beleuchtet. Man würde sich also in einer gewissen Grauzone bewegen. 

Allerdings halten die AGBs bisher kaum jemanden davon ab, WhatsApp kommerziell zu verwenden. T3N nutzt es um seine Content Marketing Strategie auszubauen und die Leser direkt per WhatsApp auf die neusten Artikel hinzuweisen. Gilt das schon als Werbung?

Mercedes Benz nutzt WhatsApp um Neuigkeiten über das Mercedes AMG Petronas Formula One Team zu kommunizieren. Ist das Werbung?

Der Touristikverband Lago Maggiore nutzt WhatsApp, um den geneigten Besucher „über alles, was für ihn in der schönen Kleinstadt von Interesse ist“ informiert zu halten. Siehe hier. Wobei bei letzterem die direkte Kommunikation mit dem Nutzer im Vordergrund steht und die reine „Newsletter“ Charakteristik in den Hintergrund gerät. Diese ist „zubuchbar“. 

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Hier zeigen sich bereits zwei Nutzungsmöglichkeiten von WhatsApp. Einmal als eindimensionaler „Newsletter“ Kanal, über den man Inhalte an alle Abonnenten verschickt und dann noch die direkte Kommunikation mit Nutzern, indem man eine WhatsApp Nummer bereit stellt über welche man direkt 1:1 mit den Personen sprechen kann. Einen Abonnent im eigentlichen Sinne hat man hier aber nicht. 

WhatsApp als Newsletter Kanal

Mercedes nutzt Whatsapp
Hierbei benötigt man wie auch bei der klassischen E-Mail natürlich das Einverständnis der Nutzer. Technisch läuft das ganze folgendermaßen ab: Man gibt eine Telefonnummer an, die man von einem der oben genannten Anbieter erhält und der Nutzer muss diese in seinem Handy speichern. Um den Newsletter dann zu abonnieren sendet man „Start“, oder „Los“, oder „Anfangen“ an den neuen WhatsApp Kontakt. Ab diesem Zeitpunkt kann man dem Nutzer nun WhatsApp Nachrichten per Massenversand zukommen lassen. 

Der Nutzer selbst hat hier die Möglichkeit mit Kommandos wie „Stop“, „Pause“, „Alle Daten löschen“ auf den Newsletter Einfluß zu nehmen. Allerdings funktioniert das lediglich mittelprächtig. Ich habe mich für den Mercedes WhatsApp Newsletter angemeldet und kann so oft „Stop“ senden wie ich möchte. Auch bei der Nachricht „Alle Daten löschen“ passiert nichts weiter. Ich bekomme fleißig weiterhin die ungewollten Informationen.

Ob hier die Technik einfach noch spinnt und das Opt-Out nicht funktioniert, oder ob das so gewollt ist lässt sich hier nur vermuten. Aber Bock auf Mercedes habe ich jetzt keinen mehr. Sorry, aber der nächste wird wohl eher ein BMW oder Audi. 

Man sieht hier auch wieder wunderbar, wie WhatsApp Marketing nach hinten losgehen kann. WhatsApp ist für fast alle das primäre Kommunikationsmedium und hier versteht wohl kaum einer Spaß, wenn man Spam bekommt. Der Umstand, dass meine Abmeldeversuche vergebens waren sorgt dafür, dass ich mir sicherlich keinen Mercedes kaufen werde und dabei hat deren WhatsApp Kanal wohl kaum etwas mit der Qualität der Autos zu tun. Irrationales Käuferverhalten. 

Wer sich also überlegt WhatsApp als Newsletter Kanal zu nutzen, sollte sich vorher genau überlegen, was er über diesen Kanal verbreiten möchte und wie er die Nutzer anspricht. 

WhatsApp als direktes Kommunikationsmedium

Die alternative Möglichkeit ist WhatsApp als direktes Kommunikationsmedium einzusetzen. Hierbei bietet man auch eine Mobilnummer mit einem WhatsApp Account an, allerdings findet hier eine direkte Kommunikation mit dem Nutzer statt. Man benötigt dafür auch keinen Anbieter, der monatliche Gebühren für den Dienst verlangt, sondern kann das ganze recht günstig und schnell umsetzen. Dazu gleich mehr.

Bei der direkten Kommunikationsmethode hat man eine wesentlich stärkere Kundenbindung, als bei der Newsletter Variante, allerdings muss man dafür auch einen wesentlich höheren Aufwand betreiben. Denn schließlich bringt die direkte Kommunikation nichts, wenn der potentielle Kunde zwar Nachrichten schreiben kann, aber keine Antwort erhält. Man benötigt also jemanden, der sich um die Kommunikation kümmert und direkt auf Fragen im WhatsApp Chat antwortet. 

Auch benötigt man Öffnungszeiten, zu denen man auch wirklich erreichbar ist und mit den Nutzern interagiert. 

Die Umsetzung des direkten Kommunikationsmediums WhatsApp

Um sich einen solchen Kanal aufzubauen benötigt man lediglich eine Prepaid Karte für ein Smartphone, auf welchem WhatsApp läuft. Anschließend kann man seinen WhatsApp Messenger auf dem Computer mithilfe von WhatsApp Web spiegeln. Man muss dafür lediglich die Seite aufrufen und den QR Code scannen. Anschließend ist der komplette Messenger auf dem Desktop abgebildet und lässt sich normal bedienen. Eine WLAN Verbindung setze ich jetzt einfach mal voraus. Denn sonst kann auch dieser Spaß teuer werden, wenn man eine Prepaid Karte verwendet.

Wie sieht nun also die Zukunft der E-Mail aus?

Ich bin leider kein Hellseher und kann diese Frage nicht beantworten. Sicher ist, dass die E-Mail im geschäftlichen Umfeld weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Dafür ist sie einfach zu stark verbreitet. Ob sich die E-Mail allerdings im B2C Bereich auch in den nächsten Jahren noch halten wird, vor allem wenn die ganzen Millenials zur Zielgruppe werden, ist fraglich. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Markt entwickelt. 

Es könnte nämlich durchaus passieren, dass WhatsApp durch einen der 20 Konkurrenten ersetzt wird, sobald großflächig Newsletter darüber versendet werden. Von Geotargeting will ich mal noch gar nicht sprechen. Man stelle sich einfach mal vor, man gehe an einer Pizzaria vorbei und bekommt plötzlich das Gericht des Tages per WhatsApp offeriert. Hätte ein wenig etwas von Minority Report. 

Wie sehen Sie die Entwicklung? Ich würde mich sehr über Ihre Meinung freuen. Hinterlassen Sie dazu einfach unten einen Kommentar.

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Über den Autor

Matthias zeichnet gerne Diagramme von umzusetzenden Verkaufstrichtern und testet gerne exzessiv verschiedenste Marketingmöglichkeiten. Er betreibt zwei Podcasts, den DyneForge "Inbound Marketing Podcast" und den "Marketing unterwegs" Podcast.

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